TESTSEGELN: BENETEAU FIRST 27 (ex Seascape 27)

Herzlich willkommen an Bord!” heißt es einmal wieder – dieses Mal begrüßen wir Sie auf der First-Seascape 27, dem (noch) Flaggschiff der FIRST-Flotte. Nach Übernahme der Anteilsmehrheit am slowenischen Start-Up Seascape vor wenigen Wochen hat BENETEAU mit einem Paukenschlag das Revival der FIRST-Reihe eingeläutet. Wir freuen uns auf ganz neue Boote, die schon ab nächstem Jahr vorgestellt werden. Doch zunächst beschäftigen wir uns mit den First-Seascape-Modellen, die ab sofort baugleich unter dem französischen Label zu haben sind. Ich steige bei Tim in Heiligenhafen zu, der die First-Seascape 27 schon auslauffertig riggt, als ich auf den Ponton komme.

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 Mit einer Länge über alles von genau 7.99 m und einer maximalen Breite von 2.54 m ist dieses Boot bequem trailerbar (später mehr) und damit leicht in Binnengewässern zu slippen. Dank des 3-to-1 Liftsystems kann es allerdings auch mit einfachen Krananlagen zu Wasser gebracht werden. Die First-Seascape 27 wiegt leer nur 1.400 kg und ist ein absolutes Leichtgewicht: Kein Wunder, dass dieses Boot zusammen mit dem kleineren Schwesterschiff, der First-Seascape 24, viele Einhand- und Zweihandregatten dominiert.

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Die First-Seascape 27 ist als regattataugliches Sportgerät ausgelegt, welches für maximalen Segelspaß bei purer Einfachheit steht. Der mit 2.00 m für diese Bootsgröße sehr tiefe Kiel beweist dies: Viel Segelfläche erzeugen eine Menge Power, die das Boot sofort in Vortrieb umwandelt. Dabei soll es kurstreu mit möglichst wenig Krängung segeln. All das werde ich gleich testen: Es ist ein wunderbarer, warmer Tag. Wir freuen uns über 10 bis 13 Knoten Wind und eine kleine Kabbelsee von ca. 30 cm Welle. Let´s roll!

Clever: Außenborder mit inboard-Feeling

Zunächst zeigt mir Tim die kongeniale Handhabung des Tohatsu-Außenborders, welcher liegend im Schiff unter zwei Deckenplatten untergebracht ist. Kein Anhängen also – der Motor wird mit einem Handgriff aufgestellt, eingedreht und arretiert sich in der Mulde. Diese ist zum Rumpf hin stetig offen – Wasser kann natürlich hier nicht eindringen, weder in das Cockpit (auch bei extremer Lage) noch – selbstverständlich) ins Bootsinnere.

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Nun ragt die Schraube in etwa der gleichen Position unter dem Boot hervor, wie ein Saildrive bei den großen Yachten. Die knapp 10 PS des Benziners reichen auch bei Windstärke 5 bis 6 gegenan zum Auslaufen, versichert mir Tim. Die Steuereigenschaften unter Maschine sind typisch für eine Doppelruder-Anlage: Hat das Boot erst einmal ein bisschen Fahrt (und es genügt wirklich nur ein bisschen), lässt es sich sowohl nach achtern als auch bei Vorausfahrt sicher und präzise steuern.

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Wem die Fahrgeräusche des dann doch recht lauten Außenborders zu laut sind und wer, etwa wegen Umweltvorschriften oder einfach, weil er es mag, auf fossile Brennstoffe verzichten möchte, für den bieten wir auch den Torqueedo-Elektroantrieb in der First-Seascape 27 an. Dieser besitzt zwar weder die Reichweite noch die Kraft des Verbrenners, ist aber beispielsweise auf Binnenrevieren, wo es nicht so auf Power ankommt, eine sehr interessante Alternative!

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Der Tiller der First-Seascape 27 geht auf ein achterliches Quergestänge welches dann auf die beiden sehr kurzen Ruderblätter wirkt. Wir bieten übrigens auch eine abnehmbare Sitzbank achtern an, welche leicht an- und abgebaut werden kann. Am Ruder fand ich die Response der First-Seascape 27 jederzeit schnell und direkt – wie man es an einer Pinnensteuerung mag. Auch an der Windkante später beim Segeln hatte ich jederzeit sensible Rückmeldungen von der Strömung am Blatt – Sie werden es auch zu schätzen wissen!

Rigg der Seascape-First 27

Das Boot ist absolut einhandtauglich ausgelegt. Man merkt sofort, dass die Macher der Seascape eine Rennmaschine, ein Sportboot im Sinn hatten. Alle Klemmen aller Leinen sind auf dem Niedergangsdach wunderbar erreichbar. Hat man sich erst einmal an diese “Klaviatur” gewöhnt, gehen alle Handgriffe wie Segelsetzen oder der Trimm wie im Schlaf.

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Unser Testboot ist mit den wunderbaren Andersen-Winschen ausgestattet. In der Standardversion sind dies Harken-Winschen von nicht minderer Qualität. Ebenso wie das Rigg, denn die First-Seascape 27 sind ab Werk mit einem Vollcarbon-Rigg ausgestattet! Der Mast wie auch der Großbaum sind stabil laminiert. Der Querschnitt des Mastes etwa ist so ausgelegt, dass er nur in Längsrichtung des Bootes flexen kann – er ist an den Seiten also dicker laminiert. Die Faserrichtungen dabei entsprechend angepasst.

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Auch Details am laufenden Gut sind beeindruckend: So verfügt die First-Seascape 27 standardmäßig über ein 2:1 Großfall. Dieses ist am Masttopp fest angeschlagen, läuft ein mal durch die Nock am Baum, dann wieder zum Mast und erst dann am Mast hinab zum Segel – diese Untersetzung erfordert zwar den doppelten Zugweg, erleichtert das Setzen des Großsegels aber auf das Level “kinderleicht”.

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Wer mag, kann sich das richtige Race-Feeling – und damit den Trimm der Profis – an Bord holen über das 3D-Hohlepunkt-System für das Vorsegel. Hiermit kann die Fock nicht mehr nur in Längsrichtung nach vorn und nach achtern getrimmt werden, sondern auch dichter zum Mast geholt. Dies verbessert die Amwind-Eigenschaften enorm und erlaubt es dem Segel-Tüftler, noch genauer zu trimmen. Ein echter Vorteil im Regattafeld!

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Nicht Standard, aber genial gelöst und sehr zu empfehlen, wer es eher etwas ruhiger mit der First-Seascape 27 angehen will ist der Rodkicker. Er besteht aus zwei flexenden Glasfiber-Stäben. Sie halten den Baum oben – nach dem das Großsegel runtergeholt wird, würde der Baum samt Segel im Cockpit liegen. Was kein Problem bei einer Racing-Crew ist, kann für mitsegelnde Gäste oder Kinder leicht unangenehm sein. Ich finde, dies ist eine tolle Einrichtung!

Tolle Ausstattung – für eine Yacht dieser Größe!

Auch genial ist der schwenkbare Arm, an dem der Raymarine-Plotter (Option) angebaut ist. Anstatt große Löcher in das GFK zu sägen und den Plotter hier einzusetzen, wird er bei Bedarf einfach in den Niedergang geklappt und ist so perfekt einsehbar. Wird er nicht mehr gebraucht, faltet man den Arm nach Innen. So ist der Plotter auch bei langer Liegezeit im Hafen immer geschützt.

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Direkt unter dem Niedergang befindet sich das Hauptschaltpult, an dem alle relevanten elektrischen Einrichtungen des Bootes bedient werden können. Unter der klappbaren ersten Treppenstufe befindet sich ein praktisches, tiefes Fach für Dies & Das zum Verstauen. Überhaupt sind auch im Innenraum viele tolle praktische Lösungen verbaut, die mich begeistert haben: Hier hat sich wirklich einmal ein echter Segler Gedanken gemacht und kein “Star-Designer” einen Effekt gehascht …

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Unter der zweiten Treppenstufe verbaut die Werft standardmäßig ein Kühlfach (mit Thermos-Auskleidung), welches man sich als Option mit einem Kompressor ausstatten kann. So hat man einen Kühlschrank an Bord der immerhin eine stattliche Menge an Getränken oder Proviant kalt halten kann. Wir wissen von einigen 27ern, die spannende – durchaus auch Offshore – Reisen hinter sich haben. Hieran zweigt sich einmal mehr die Vielseitigkeit dieses Bootes.

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Der Salon ist groß genug, dass sich hier zwei Erwachsene der Länge nach hinlegen können. Im Vorschiff befindet sich nochmals ein V-Bett für 2 Erwachsene, sodass man mit einer Besatzung von 4 Personen ohne Probleme an Bord der First-Seascape 27 übernachten kann. Super finde ich die Crew-Bags, welche man an der Seite des Salons einfach einhängt: Kein umständliches Umpacken mehr, denn so nimmt man Klamotten & Ausrüstung einfach mit den “Schränken” mit von Bord nach Hause – perfekt!

Hydraulisch aufholbarer Kiel

Der Kiel der First-Seascape 27 ist von 2.00 m maximaler Tiefe aufholbar. Dies geschieht mittels einer Hydraulik, die unter der Steuerbord-Bank des Salons verbaut ist. Ein Pleuel wird dazu einfach in eine Öffnung gesteckt und das Pumpen kann beginnen. Sicher dauert dies seine Zeit und ist auch körperlich nicht unanstrengend, aber die Option, den Tiefgang variabel bis auf annähernd 0 zu halten, ist perfekt für Binnenreviere und essenziell für das Trailern des Bootes.

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Die 610 Kilogramm des Kiels sind dann in wenigen Minuten auf 0.95 m Tiefgang aufgeholt. Übrigens sind 610 Kilo Gewicht bei einem Gesamtgewicht von 1.400 Kilogramm sage und schreibe 43 Prozent Ballastanteil! Diese massive Stabilität haben selbst die besten großen Performance-Cruiser nicht …

Innen viel Platz!

Hatte ich den Platz angesprochen? Auf 27 Fuß darf man natürlich keine absolute Stehhöhe erwarten, schon allein, weil dieses Boot auf Speed und Spaß oben an Deck ausgelegt ist, aber dennoch find ich das Platzangebot durchaus überwältigend! Natürlich ist die First-Seascape 27 kein ausgesprochenes Tourenboot, weshalb der geneigte Interessent Holz und “schicke” Intarsien hier sicher nicht finden wird. Dafür ist alles sehr clever & praktisch konzipiert.

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Begeistert haben mich beispielsweise die Leichtbautüren, mit denen einerseits der kleine WC-Raum verschlossen werden kann, andererseits die Vorschiffskabine vom Rest des Bootes oder auch der Salon von WC & Vorschiff abgetrennt wird. Diese Türen sind sehr leicht und verfügen über Magneten, die an Gegenstücken, die in die Bootsstruktur einlaminiert sind, fest haften bleiben. Super-easy! Auf einer regatta, wenn jedes Kilogramm zählt, kann man diese natürlich zusammen mit allen anderen “schweren” Dingen, wie Polstern, aus dem Boot entfernen.

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Die First-Seascape 27 kann entweder mit einem einfachen Camping oder einem Pump-WC ausgestattet werden. In unserer Variante war es das Pump-WC. Die Renn-Gene der First-Seascape 27 kommen dann wieder klar zum Tragen, wenn man sich die Segellast anschaut, welche sich vis-a-vis des WC befindet: Mittels einer Lasching, die auch einfach von außen durch die Luke gelöst/festgezurrt werden kann, klappt ein Fach aus, in dem sich dann die Segelsäcke (z.B. für den Gennaker) befinden.

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Hier können dann auch ambitionierte Crews direkt & schnell die Segel klarmachen und nach den Bergemanövern schnell unter Deck wieder sichern. Es ist diese Einfachheit, diese durchdachte Perfektion, welche an diesem Boot so begeistern!

Super Segelperformance!

Doch so richtig begeistert bin ich, als wir endlich aus der Hafeneinfahrt freikommen und wir die Segel hochziehen. Super-easy, denn unsere First-Seascape 27 ist mit einem Furling-Jib ausgestattet. Das Groß ist Dank 2:1 Fall kinderleicht gesetzt. Alle Leinen schnell weggestaut, abgefallen – und schon macht die First-Seascape 27 einen Satz nach vorn!

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Für die First-Seascape-Reihe bieten wir Ihnen die Standardsegel von One Sails und die Perfromance-Segel von North Sails ab Werft an. Zudem können wir die Kunden mit den speziellen, von Doyle-Oleu für die deutsche Klassenvereinigung gebauten Segeln ausrüsten. Beide Segelgarderoben reichen von der normalen Fock/Groß-Ausstattung bis zu Gennakern, Sturmsegeln und Code 0. Egal, für welche Garderobe Sie sich entscheiden – schnell ist die First-Seascape 27 damit allemal!

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Schon unter Groß allein (es herrscht eine schöne Brise von 10 bis 13 Knoten mit wenig Kabbelsee an diesem Testtag auf der Ostsee vor) bringt es die First-Seascape 27 beim Abfallen nach Setzen des Segels auf 6 Knoten SOG! Als dann das Vorsegel draußen und dichtgeholt ist, legt sich das Boot sofort “auf die Backe” und stabilisiert sich – dann sind die 7 Knoten schnell erreicht.

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Als Steuermann sitzen Sie auf der hohen Kante sportlich-bequem entweder vor oder hinter dem Segelzaun. Die Fockwinsch ist in Reichweite, die Großschot wird – Racing-typisch – aus der Hand gefahren. Sicheren Halt an den Füßen geben die einlaminierten Fußläufe. Über den in der Länge verstellbaren Ausleger hat man sehr gute Kontrolle über die Doppelruder-Anlage. Übrigens steuert sich das Boot sehr fein – das Luvruder kommt komplett aus dem Wasser, das verbleibende Ruder in Lee ist nun perfekt eingetaucht – Steuerimpulse werden direkt umgesetzt. Tolles Segeln!

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Wir durchfahren alle Windkurse sowohl auf Steuerbord- wie auch auf dem Backbord-Bug. Unsere First-Seascape 27 bringt es – trotz (!) ausgefahrenem Motor, der etwa einen halben Knoten kostet – am Wind auf bis zu 7.3 Knoten, bei Halbwind kratzen wir an der 8 und raumschots wird es nicht langsamer. Selbst als wir die Fock schon wieder eingerollt haben, läuft sie unter Groß vor dem Wind ihre glatten 6 Knoten. Traumsegeln!

Sicher transportieren auf dem speziellen FIRST-Trailer

For die First-Seascape 18 bis 27 bieten wir die speziellen Trailer ab Werft an. Entweder als einfachere Lösung von LOK oder mit den “Luxustrailern” von Harbeck. Diese werden bei Bestellung für den Export vorbereitet, müssen von unseren Kunden dann nur noch in Deutschland zum TÜV und zugelassen werden.

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Zudem kann – für die kleinen FIRST-Boote – noch viel Zubehör geordert werden: Das 3- oder 4-zu-1 Liftsystem beispielsweise, mit dem die kleinen FIRST-Boote durch einfache Mastenkrane selbst ins Wasser gebracht werden können etwa, wie auch das A-Masstell-/lege-System für das Rigg oder die stabilen GFK-Böcke, die perfekt zur Rumpfrundung der FIRST passen und auf denen die Yacht sicher stehen kann.

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Auch hier freuen wir uns, durch die enge Zusammenarbeit mit ex-Seascape Deutschland und DOYLE-Oleu unseren Kunden eine fundierte Fach-Beratung von erfahrenen First-Seascape-Seglern geben zu können. Zudem bieten wir Ihnen Probesegel-Termine in der Ostsee an, um diese Boote selbst zu erfahren. Wir möchten, dass auch Sie den schnellen Spaß auf einer First-Seascape erleben können!

Unser Urteil: Eine verdammt schnelle Sache!

Als ich von Bord steige, bin ich begeistert: Die First-Seascape 27 ist eine richtige “kleine” Yacht, die schon all das bietet, was man von einem Boot erwarten darf: Ein Salon, Schlafplätze, WC und viel Stauraum. Zudem ist sie konsequent auf Leistung getrimmt und kann sowohl für Tourenfahrten (auch Offshore!) wie auch das kompetetive Regattasegeln genutzt werden. Übrigens: Durch unseren Zugang zur Deutschen Klassenvereinigung können wir Ihnen auch hier bei den Rennen, Events etc. helfen, Ihren Platz zu finden.

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Wir freuen uns darauf, unseren neuen Kunden schon in den kommenden die ersten First-Seascapes ausliefern zu können! Wenn wir Ihnen Informationen, Preislisten, Probesegel-Termine etc. zukommen lassen dürfen, lassen Sie es uns bitte gern & jederzeit wissen: Schreiben Sie uns einfach eine Email an info@enjoy-yachting.de

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