Antifouling für Ihre Yacht: Aufwand, Kosten und Haltbarkeit

„Warum ist Ihr Antifouling so teuer?“ – das ist eine Frage, die wir sehr häufig hören, wenn wir einem Interessenten ein Angebot für eine neue Yacht senden. Und Recht haben Sie, wenn Sie diese Frage stellen! In diesem Artikel möchten wir Ihnen genau darlegen, was wir bei ENJOY YACHTING unter einem professionellen Antifouling verstehen und laden Sie ein, unseren Mitarbeitern in unserer eigenen Werft über die Schulter zu schauen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel Ihre Frage, was eigentlich so aufwändig an einem Antifouling ist, beantworten können, Sie die Preis-Würdigkeit unseres Angebotes verstehen und vielleicht auch mit etwas mehr Hintergrundwissen einschätzen können, ob andere Angebote – die unter Umständen viel billiger daherkommen – einen Qualitätsstandard halten können, den Sie sich für Ihre Yacht erwarten dürfen.

Antifouling: Wirklich so wichtig?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass modernes Antifouling im Prinzip nicht mehr viel mit den Antifoulings zu tun hat, die noch vor 5 oder 10 Jahren Gang und Gäbe waren. Nachdem immer mehr Länder die Zugabe der biologisch aktiven Biozide, meist Kupfer-Verbindungen, aus Umweltschutzgründen verboten haben, sind Antifoulings im weitesten Sinner nicht mehr „giftig“ für die Unterwasserflora und -fauna. Es handelt sich nun meist um abrasive Anstriche, selbst-polierende Untergründe, die beim Segeln oder Bootfahren abblättern und dabei den Bewuchs entfernen.

Das bedeutet also, dass die modernen Antifoulings nur dann sinnvoll „funktionieren“, wenn Sie Ihr Boot auch bewegen. Je mehr, desto besser. Aber: Je mehr Sie es bewegen, desto mehr „pellen“ sich die Schichten ab. Ein normaler Antifoulingverschleiß wäre, wenn Sie nach ca. 2 aktiven Saisons eine Auffrischung bei Ihrem Boot machen. Ganz ohne Antifouling fahren? Das geht, wenn Sie viel unterwegs sind und die Liegezeiten minimiert sind: Es kann sogar für eine Saison sinnvoll sein, denn Neuyachten haben noch eine wachsartige Trennschicht am Rumpf, mit denen die frisch laminierten Rümpfe in der Werft besser aus den Formen geholt werden können – die „segelt“ man dann einfach runter.

Doch Obacht: Antifouling hat, neben der Bewuchsschutz-Aufgabe, eine weitere, sehr wesentliche Funktion an Ihrer Yacht! Wir bei ENJOY YACHTING empfehlen in jedem Fall, Ihren Rumpf mit einer wirksamen Osmose-Schutz-Barriere auszustatten. Zwar geben die Werften bis zu 5 Jahre Garantie gegen Osmose und die Fälle echter Osmose beschränken sich – zumindest können wir als BENETEAU- und CRANCHI-Händler das sagen – bei uns auf weit 1 bis 2 von 100 Booten. Doch muss man es darauf ankommen lassen? Wir möchten, dass Sie maximalen Spaß an Ihrer Yacht haben und dazu zählt auch die maximale Lebensdauer und Nutzungszeit. Also: Bei ENJOY YACHTING gehört neben dem Bewuchsschutz auch eine Osmose-Barriere zum Antifouling-Paket hinzu! Im Prinzip zahlen Sie in einem „Paket“ nun also zwei verschiedene Produkte: Osmose-Schutz und Bewuchsschutz.

Eine Wissenschaft für sich? Wasserlinie abkleben.

Willkommen in unserer Werft in Hannover-Lohnde! Alle der kleinen FIRST-Segelboote wie auch die OCEANIS 30.1 und Motorboote bis 35 Fuß (manchmal aber auch bis 52 Fuß), fahren wir wenn es passt über unseren Standort. Hier haben wir Fachpersonal, genug Platz und alle Werkzeuge und Hilfsmittel, um Ihre Boote mit einem Antifouling auszustatten. Der erste Schritt: Wie Wasserlinie abkleben. Laufen Sie gern einmal mit offenen Augen durch die Marinas und schauen Sie sich die Wasserlinien an: Wer hier pfuscht oder „nach Augenmaß“ handelt, kann schon mal ganz gehörig den Anstrich vermasseln

Unser Mitarbeiter Finn Hellmann, Bootsbauer, nutzt hierbei zwei Quellen, um die optimale Wasserlinie zu finden: Die Anweisungen der Werft und eine Laserwaage. Die Werften liefern zu allen Yachten ganz exakte Angaben, wo die Konstruktionswasserlinie eines Bootes ist. In manchen Fällen – wie etwa bei den OCEANIS-Segelyachten, ist die Wasserlinie bereits durch Markings ausgewiesen. Hier ist das Abkleben besonders einfach: Im Falle dieser FIRST 27 SE hat die Werft eindeutig den Startpunkt am Bug und den Endpunkt am Heck definiert: Finn balanciert nun das Boot durch Anheben/Absenken von Bug und Heck so, dass der rote Laser genau diese Punkte am Bug & Heck durchschneidet.

Durch Abkleben mit Malerkrepp markiert Finn die Oberkante des Antifoulings. Wenn Sie also ein Antifouling bei einer Werft oder einem Handwerker anfragen, erfragen Sie bitte in jedem Fall, wie der Dienstleister die Wasserlinie markieren will und ob diese über Werftinformationen verfügen, wo diese ist. Bei Booten, die schon einmal im Wasser waren, ist dies natürlich einfacher: Hier haben die UV-Veränderungen im Gelcoat über Wasser und alte Antifoulings bzw. die „Abdrücke“ des Wassers ganz genau markiert, wo die Linie zu finden ist.

Anschleifen des Rumpfes: Oft vernachlässigt

Der nächste Job ist ein Knochenjob. Wir sind bei uns in Hannover sicher nicht erpicht darauf, diesen auszuführen. Das Anschleifen des Rumpfes ist absolut essenziell: Zum einen muss bei Neubooten das Trenn-Wachs entfernt werden, zum anderen muss die Gelcoat-Schicht angeraut werden, damit die nun folgenden Schichten überhaupt halten können. Dieser Arbeitsschritt, das ist leider schon häufig unsere Beobachtung gewesen, wird bei „Billiganbietern“ häufig gar nicht oder nur unzureichend ausgeführt. Klar: Bei Abnahme erkennt man hinterher nicht mehr, ob überhaupt geschliffen wurde: Ein oder zwei Jahre später schon, wenn nämlich ganze Stücke (bis handtellergroß) vom Antifouling abbrechen oder abblättern.

Warum wird hier gespart? Weil das Schleifen nicht nur extrem kraft- und arbeitsintensiv ist, man in unmöglichen Körperverrenkungen arbeiten muss. Das allein macht diesen Arbeitsschritt schon zu einenm undankbaren Job: Es ist auch so, dass die Stäube, die sich beim Schleifen bilden, gesundheitsgefährdend sind und man deshalb nur mit entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen (Augenschutz, Arbeitsmaske, Ganzkörperanzug) ans Boot darf. Zumindest ist das bei uns so, denn wir nehmen diese Auflagen sehr ernst. Je nach Bootsgröße dauert das Schleifen dann mindestens einen, bei großen Yachten auch mal 2 bis 3 Tage.

Osmose-Prophylaxe, Ja oder nein?

Dass sich die Osmose-Prophylaxe lohnt, haben wir eingangs schon erläutert: Sie investieren sehr große Summen in Ihre Yacht und wollen die schönsten Stunden des Jahres mit Ihren Liebsten auf dem Boot verbringen – soll man dann beim Unterwasserschiff sparen? Osmose ist gottseidank sehr selten ein Thema (und wenn, dann meist nur auf kleine Flächen der Rümpfe beschränkt), dennoch haben wir bei ENJOY YACHTING entschlossen, unsere Antifoulings nur mit Osmose-Prophylaxe zusammen zu verkaufen. Die Osmoseschutzschicht dient gleichzeitig als Grundierung für das Antifouling.

Meist handelt es sich um stark Epoxy-Harz-haltige Anstriche, die eine wirksame und undurchlässige Barriere zum Gelcoat und damit zum Laminat bilden. Je nachdem, in welches Revier Ihre Yacht geht – und damit je nachdem, welches Antifouling außen aufgebracht werden wird – kann sich die Osmose-Schutzschicht in ihrer Art unterscheiden. Meist sehen Sie das dann an der Farbe der Grundierung. Oben sehen Sie beispielsweise eine türkisfarbige Grundierung (Gelshield) für eine Yacht, die in die Ostsee geht. Hier unten eine schwarze Grundierung (Micron-System) für ein kleines, schnelles Segelboot. Wir haben auch schon Yachten ins Mittelmeer geliefert, die mit reinem Epoxy angestrichen wurden.

Sie haben schon einmal Epoxidharze gerochen? Dann wissen Sie um den beißenden, ätzenden Geruch. Auch das Anstreichen der Osmose-Grundierung ist mit umfangreichen Arbeitsschutzmaßnahmen und damit sehr schwierigen Arbeitsbedingungen verbunden: Atemschutzmasken sind das A und O! Zudem verlangen die Anstriche das unbedingte Einhalten von exakt bemessenen Antrocknungszeiten, die je nach Außentemperatur und Luftfeuchte schwanken. Das ist keine Rocket-Science, wohl aber „anstrengend“: Wir haben beispielsweise schon des Öfteren tatsächlich den Wecker stellen und unsere Mitarbeiter in der Nacht oder am Wochenende arbeiten lassen müssen, damit die nächstfolgende Schichten nicht zu spät oder früh aufgetragen werden. Auch das schlägt sich natürlich am Ende auf dem Preis nieder: Bei uns überwachen wir den Anstrich, halten die Trocknungszeiten ein und pinseln nicht einfach das Boot an, „komme was da wolle“. Nebenbei bemerkt: Bei ENJOY YACHTING dürfen Sie das Auftragen von nicht weniger als 5 (!) Schichten Grundierung erwarten. Damit halten wir uns an die Empfehlungen der Hersteller. Der ganze Zauber also fünf Mal … wir sind uns sicher, das hier bei vielen Dumping-Anbietern geschummelt wird.

Das passende Antifouling für jeden Bootstypen & jedes Revier

Wenn die Grundierung aufgetragen ist – im Übrigen immer für jede Schicht mit einer neuen Schicht Krepp-Band an der Wasserlinie geklebt – kommt meist noch eine Schicht Haftvermittler. Das Boot ist nun für das Antifouling vorbereitet. Doch welches Antifouling ist das richtige für Sie? Wenn uns ein Kunde genau dessen Vorlieben mitteilt, dann halten wir uns daran. Wenn Sie also unbedingt die Produkte von Hempel an Ihrer Yacht haben wollen, so tragen wir diese gern für Sie auf. Ansonsten haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem Micron- und dem VC-System von International/Akzo-Nobel gemacht, welche wir standardmäßig anbieten.

Am Ende ist nicht die Marke, sondern der Einsatzraum Ihrer Yacht und die Intensität der Einsätze entscheidend. Manche Reviere, wie der Bodensee beispielsweise, haben auch ganz genaue Vorgaben, welche Antifoulings zugelassen sind und welche nicht. Doch egal, welches Produkt wir am Ende auswählen, bei ENJOY YACHTING werden immer 3 Schichten aufgebracht. Und diese in einer ganz bestimmten Reihenfolge. Meist beginnen wir mit Rot. Es sei denn, Sie wollen am Ende einen sichtbar roten Rumpf haben, dann beginnen wir mit Schwarz. Wir nennen dies die „Indikatorschicht“. Die folgenden zwei Schichten dann in der Farbe, die Sie für Ihren Rumpf wünschen. Wenn Sie nun also im Winterlager sehen, dass die Indikatorschicht durchschimmert wissen Sie, dass es Zeit für eine Auffrischung wäre. Ganz schön clever, oder?

Auch wenn wir anfangs erwähnten, dass Antifoulings längst nicht mehr die Biozide wie früher enthalten, so sind diese Farben im nassen Zustand und vor allem beim Trocknen extrem gesundheitsschädlich, sogar karzinogen. Unsere Mitarbeiter schützen wir deshalb mit guter Belüftung, regelmäßigen Frischluftpausen und entsprechenden Atemschutzmasken. Auch hier gilt: Das Streichen von Antifouling ist kein schöner Job und mit viel körperlicher Anstrengung sowie gesundheitlichen Risiken verbunden. Wie auch bei der Grundierung sind die Trocknungszeiten essenziell – einfaches „Anpinseln“ ist das also bei weitem nicht!

Woran oft nicht gedacht wird: Logistisches

Im Preis der Antifoulings sind natürlich nicht nur der Warenwert der verwendeten Produkte, die Arbeitsmittel (Roller, Pinsel, Schleifgeräte und -utensilien etc.) und die Arbeitsstunden enthalten, sondern auch die gesamte Hafenlogistik. Viele Kunden vergessen, dass so ein Boot gekrant werden muss, verholt werden muss, auf einem Bock stehen muss – und das ganze dann wieder zurück ablaufen soll, wenn das Boot fertig ist.

Zudem muss jedes Boot, wenn es fertig gestrichen ist, einmal umgekrant und umgehangen werden, denn – wie auf dem Foto schön zu sehen – sind die Auflageflächen auf den Cradles auch entsprechend mit den 7 bis 8 Schichten anzustreichen. Dies sind Arbeitsstunden von mehreren Personen, Kranmieten und Mieten für Lagerböcke, die oftmals vergessen werden, aber selbstverständlich dazu gehören.

Ist Antifouling teuer?

Unsere Antwort: Ja! Es sollte Ihnen teuer sein, denn ein gut gemachtes Antifouling hält nicht nur den lästigen Bewuchs von Ihrer neuen Yacht fern, sondern schützt den Rumpf auch wirksam gegen Osmose. Nachdem Sie nun detailliert gelesen haben: Was wäre Ihnen dieser ganze Aufwand denn wert? Denken Sie wirklich, dass man das alles sinnvoll, handwerklich gut ausgeführt für ein, zweitausend Euro pro Yacht realistisch hinbekommt? Wir haben für uns bei vielen durch uns ausgeführten Antifoulings „die Stoppuhr mitlaufen“ lassen und haben einen Wert gefunden, der uns Ihnen einen fairen Preis für ein hochwertiges, gut gemachtes Antifouling vorschlagen lässt: 650 € Netto pro Meter Boot.

So kostet das Antifouling einer Oceanis 30.1 wie hier zu sehen aktuell bei uns 6.500 € Netto. Angesichts eines realistischen Gesamtbudgets für eine solche Yacht von ca. 145.000 € sind das geringe 4,5 % des Gesamtpreises. Anteilig gesehen also keine große Sache – dennoch so wichtig, so unerlässlich und so (aus unserer Sicht zumindest) unverhandelbar. Sicher: Sie können Ihre Yacht bei uns natürlich ohne Antifouling ordern und diesen Posten in Eigenverantwortung ausführen lassen. Wenn Sie die Sicherheit einer garantiert gut gemachten Osmose-Prophylaxe und eines handwerklich einwandfreien Bewuchsschutzes wählen, dann stehen wir als ENJOY YACHTING mit unserem Namen für unser Produkt ein.

 

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